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Vernissage:Mahnmale gegen den Krieg

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Datum:
Veröffentlicht: 7.6.22
Von:
mkh

Bamberg. Mariupol, einst helle, sonnige Küstenstadt in der Ukraine. Jetzt schwarz geworden mit Rußruinen. Tausende, vielleicht zehntausende Zivilisten wurden getötet. Blut und Tränen. Tod und Leid. So klang das „Kyrie eleison“, Herr, erbarme Dich, herzzerreißend klagend, das der Männerchor des Eichstätter Collegiums Orientale in den vollbesetzten Festsaal des Bistumshauses St. Otto schickte. Herr, erbarme Dich der kriegsgeplagten Menschen in der Ukraine. Der Flüchtlinge, der Frauen, Kinder, Alten.

Mariupol steht als trauriges Symbol für Grausamkeiten des russischen Überfalls, die das ukrainische Künstlerpaar Oleksandr Klymenko und Sofia Atlantova im Ikonenschreiben zu verarbeiten suchen. Und zwar auf Deckel von Waffenkisten. Die im März und April 2022 so entstandene Reihe von Ikonen ist Mariupol, ihren Bewohnern und Verteidigern gewidmet: Jetzt im Bistumshaus zu sehen – starke Emotionen, visualisiert durch die traditionelle Sprache der Ikonographie. „Wir sehen in jeder Ikone auch eine Stütze gegen die Zerbrechlichkeit und suchen darin Erlösung, Frieden und die Erfüllung unserer Hoffnungen“, sagten die Künstler, die mit Zustimmung der ukrainischen Regierung zur Vernissage nach Bamberg reisen durften.

Insgesamt 31 Künstler und Künstlerinnen aus der Ukraine haben Werke für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt: 75 Objekte sind es. „Ikonen gegen den Krieg" titelt die Präsentation, die auch „Mahnmale gegen den Krieg“ hätte heißen können. Diese Werke sind seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Donbass im Jahr 2014 entstanden. Diese Ikonen berühren als eine lebendige Erfahrung, die letztlich ein Gespräch mit und für Gott ist. Erzbischof Ludwig Schick und Bischof Bohdan Dzyurakh (Apostolischer Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien) haben diese überaus beachtenswerte Schau von Zeugnissen einer kulturell reichen Nation eröffnet.

„Beim Anschauen der Ikonen spürt man den Frieden Jesu Christi und Liebe", sagte der Erzbischof und erbat diesen Frieden für die Ukraine: „Beten wir, dass dieser unselige Krieg bald, bald aufhört!" Ikonen wollten dabei helfen, als Christen zu leben und nahezubringen, was Jesus Christus beinhalte: „Er ist Friede, das Bild des unsichtbaren Gottes“, so Schick.

Für Bischof Dzyurakh sind Ikonen ein Weg, „selbst im Nebel der Grausamkeiten das Schöne des Herzens zu bewahren“. Nur derjenige, der Gott vor Augen habe, könne die Menschen richtig betrachten. Der Bischof dankte den Bambergern für die vielen Zeichen der Verbundenheit und des Mitleidens. Für die Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, zu der diese Ikonenausstellung zähle.

Bischof Dzyurakh erwähnte besonders Michael Kleiner, Weltkirchereferent im Erzbistum Bamberg, der in maßgeblicher Arbeit die Ikonenschau in die Stadt geholt hat. „Diese Ikonen verdienen unsere Aufmerksamkeit, sie haben eine politische, schmerzliche und spirituelle Dimension“, betonte Kleiner in seiner Begrüßung der Gäste, unter ihnen Pfarrer Andrii Khymchuk von der Ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in Bamberg, Künstlerin Ulyana Tomkevych und Mariya Tsymbalista, die als Kunsthistorikerin aus Lviv in die ukrainische Ikonenkunst einführte.

Diese Form der Heiligendarstellung sei Bestandteil der theologischen und liturgischen Tradition, verbunden mit neuen Strömungen der Moderne. Die Referentin machte deutlich, dass Ikonen für gläubige Menschen in der Ukraine Begleiter für das ganze Leben sind. Die moderne ukrainische Sakralkunst werde in der Lviver Kunstakademie gepflegt, so Tsymbalista. Die Ergebnisse ihrer Arbeit würden die Ikonenkünstler in der einzigartigen Galerie für zeitgenössische Kunst ICONART ausstellen, die zu einem beliebten Treffpunkt geworden sei.

„Ich schreibe heute Ikonen, die den Schmerz jedes getöteten ukrainischen Soldaten als eigenen annimmt“, bekannte Ulyana Tomkevych. Davon künden diese „Ikonen gegen den Krieg“, die bis zum 29. Juli 2022, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, im Bistumshaus St. Otto, Heinrichsdamm 32, betrachtet werden können.